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Superbakterien: Krank im Krankenhaus

Bakterien, die gegen herkömmliche Antibiotika resistent sind, infizieren jedes Jahr zehntausende Krankenhauspatienten. Das Rezept dagegen: Bessere Hygiene und weniger Antibiotika.


Superbakterien: Krank im Krankenhaus

Eine Krankenschwester in einem Berliner Krankenhaus zieht Handschuhe an. Ein mit MRSA, einem Methicillin-resistenten Erreger, infizierter Patient soll operiert werden. (Foto: Reuters)

 

Patienten im Krankenhaus – sie fühlen sich sicher und sind gewiss, dass dies der Ort ist, an dem sie gesund werden können. Wenn nicht hier – wo sonst? Das schwache Neonlicht und die sterilen Löffel, mit denen sie gefüttert werden, bestärken sie darin.

 

Doch auch wenn das medizinische Personal tut, was es kann - die Vorstellung vom sterilen Krankenhaus ist eine Illusion. Als Zentrum für Kranke und Verletzte sind Krankenhäuser unausweichlich auch ein Sammelbecken für ansteckende Bakterien.

 

Sogar in modernen europäischen Krankenhäusern infiziert sich einer von zehn Patienten; rund 50.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen. Gesundheitsexperten haben eine neue Sorge: Die Vermehrung der „Superbakterien“. Das sind Erreger, die gegen die herkömmlichen Antibiotika resistent geworden sind.

 

Die Zahl der lebensgefährlichen Fälle durch Superbakterien in US-amerikanischen Krankenhäusern hat sich zwischen 1999 und 2005 verdoppelt. Das geht aus einer Studie hervor, die im Jahr 2007 in der Zeitschrift ‚Emerging Infectious Diseases’ veröffentlicht wurde.

 

Das bekannteste dieser Superbakterien ist Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt, das jedes Jahr Tausende von Krankenhauspatienten befällt. Für die meisten der von MRSA betroffenen Patienten verlängert sich der stationäre Aufenthalt, da die naheliegendsten Gegenmittel, meistens Antibiotika, einfach nicht wirken.

 

Doch Infektionen sind hochansteckend und können tödlich ausgehen, besonders nach Operationen oder bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Experten glauben, dass die übermäßige Verwendung von Antibiotika durch Ärzte in den letzten Jahrzehnten ein Grund für das Aufkommen von MRSA und anderer gegen Medikamente resistenter Erreger ist.


Superbakterien: Krank im Krankenhaus

Grafik: Die zehn tödlichsten Pandemien und Epidemien der Geschichte

Klicken Sie auf das Bild, um zu erfahren, welche Pandemien in der Geschichte die meisten Menschenopfer forderten. (Grafik: Allianz)

 

„Viele der heute verschriebenen Antibiotika sind unnötig“, sagt Axel Kramer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). „Begünstigt wird die Resistenzentwicklung durch falschen Einsatz, Unterdosierung sowie zu kurze oder zu lange Anwendungsdauer.“

 

Weil sie die Resistenz von Erregern stärken, haben manche Ärzte den Gebrauch von Antibiotika eingeschränkt und greifen nur auf sie zurück, wenn andere Behandlungsmethoden nicht anschlagen.

 

„Es wird zunehmend üblich, die Anwendung von Antibiotika zu vermeiden, aber das ist nicht einfach“, sagt J. Glenn Morris, Experte für Gesundheitswesen an der Universität von Maryland in den Vereinigten Staaten. „Es ist schwer für Ärzte, ihre Patienten davon zu überzeugen, dass sie auch ohne Antibiotika behandelt werden können.“

 

Es lebe der Widerstand?

Neben dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika nennt die Studie auch unhygienische Verhältnisse in Krankenhäusern als weiteren Faktor für die Verbreitung von MRSA und nosokomialen Erregern, die in den Krankenhäusern selbst entstehen. Ein Beispiel für letztere sind Vanomycin-resistente Enerokokken (VRE).

 

Betsy McCarthy, ehemalige Vizegouverneurin von New York, beklagte, dass die Krankenhäuser und Arztpraxen in ihrem Staat nicht einmal den sanitären Standards lokaler Restaurants entsprächen, obwohl jedes Jahr 40 Mal so viele Menschen in öffentlichen Einrichtungen an Infektionen sterben als durch eine Lebensmittelvergiftung.

 

„Diese Infektionen entstehen hauptsächlich durch unsaubere Hände, nicht angemessen saubere Geräte und kontaminierte Kleidung, durch die die Bakterien von Patient zu Patient übertragen werden“, schrieb sie im November 2007 im ‚Wall Street Journal’.

 

Alex Kramer und die DGKH fordern ebenfalls höhere Hygienestandards in Deutschlands Krankenhäusern. Bisher haben nur vier der 16 Bundesländer eine Verordnung zur Verbesserung der hygienischen Bedingungen in Krankenhäusern erlassen. Es werden mehr speziell in Hygiene geschulte Krankenschwestern gebraucht und ein besseres Training für Ärzte und Medizinstudenten, so Kramer.


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Auch staatliche und private Dienstleister im Gesundheitswesen schenken dem Problem der „ansteckenden Krankenhäuser“ Beachtung. Ganz zu schweigen von den Versicherungsunternehmen, denen höhere Kosten durch Patienten entstehen, die von MRSA oder anderen Infektionen aus Krankenhäusern betroffen sind.

 

„Wir wollen das Bewusstsein für ein Thema erhöhen, das schon viel Aufmerksamkeit von Experten bekommt“, sagt Ulrich Hartmann von der Allianz, die 2007 gemeinsam mit der DGKH einen Report mit dem Titel ‚Krank im Krankenhaus’ veröffentlicht hat. „Wir halten es für notwendig, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.“

 

„Wir haben auch ein Interesse daran, dass sich die Hygienestandards verbessern, damit Resistenzen nicht in diesem Ausmaß entstehen und damit weniger Patienten infiziert werden“, sagt Hartmann. „Am Ende senkt das auch unsere Kosten.“

 

Solche Veränderungen hinter den Kulissen mögen für die Krankenhauspatienten nicht sichtbar sein, doch sie können dazu beitragen, dass sie schnell und sicher gesund werden.

 

Autor: Valdis Wish

Veröffentlicht am: 14. April 2009

 
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