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Schutz vor Pandemien: Das Geheimnis der Ameisen

Sie sind gerade einmal drei Millimeter lang und scheinen dem Menschen in der Seuchenbekämpfung doch einen großen Schritt voraus zu sein.


Schutz vor Pandemien: Das Geheimnis der Ameisen

Zwei Charaktere aus dem computeranimierten Trickfilm "Antz - was krabbelt da?" Laut Biologen beschützen Ameisen ihre Kolonie vor Pandemien, indem sie sich selber isolieren (Foto: Reuters)

 

Ameisen sind soziale Insekten, ihre Nester beherbergen auf engem Raum Millionen von Individuen und dennoch leiden sie sehr selten an Pandemien.

 

Die Biologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Regensburg, Dr. Sylvia Cremer, merkt an, dass das eine Tatsache ist, die um so überraschender ist, als sich Ameisen genetisch ähneln und daher auch für ähnliche Krankheiten anfällig sind.

 

Cremer hofft daher, dass die Invasive Gartenameise Lasius neglectus „uns einiges darüber sagen kann, wie man die Ausbreitung zum Beispiel einer Schweinegrippe-Pandemie verhindert“.

 

Der wichtigste Unterschied zwischen Mensch und Ameise ist dabei, dass die Tiere sozial handeln. Sobald eines von ihnen mit Pilzsporen wie Metarhizum anisopliae in Kontakt kommt, die für die Ameisen eine tödliche Gefahr sind, „merken sie, dass sie ein Pathogen auf ihrem Körper tragen, das die ganze Kolonie ausrotten kann und stellen sich selbst unter Quarantäne“, sagt Cremer.

 

Die befallenen Ameisen wandern an den Rand des Nestes, noch bevor sie krank werden. Dort werden sie von ihren Artgenossen gelaust, „das heißt, gesunde Tiere knabbern mit ihren Mundwerkzeugen die Pilzsporen vom Körper der exponierten Ameisen ab“.

 

Die Arbeiterinnen verlassen dafür sogar ihre Tätigkeit bei der Aufzucht des Nachwuchses. Im Gegensatz dazu trägt der Mensch mit seinem Verhalten zur Verbreitung von Viren bei.


„Die Leute schleppen sich mit einer gewöhnlichen Grippe oft noch tagelang zur Arbeit, bevor sie sich krankschreiben lassen und verbreiten den Virus so weiter“, sagt Cremer. Bei der Schweinegrippe ist das ein unkalkulierbares Risiko, weil die Wissenschaftler bislang noch nicht wissen, wie tödlich das H1N1-Virus letztlich ist.

 

„Unser Immunsystem ist noch nicht auf H1N1 vorbereitet“, sagt Professor Wolfgang Jilg. Der Mikrobiologe hat sein Büro nur ein paar hundert Meter neben dem Labor Cremers, wo er Anfang April den ersten Fall von Schweinegrippe in Deutschland diagnostiziert hatte.

 

In den nächsten fünf Jahren wollen Cremer und ihre Kollegen daher den Zugang der Ameisen zu verschiedenen Bereichen des Nestes verhindern und damit geschlossene Flughäfen im Fall einer Schweinegrippe-Pandemie simulieren.

 

Auf der anderen Seite des Ozeans stoßen diese Experimente auf reges Interesse. Denn Professor Dirk Brockmann und sein Doktorand Vincent David von der Fakultät für angewandte Mathematik an der Northwestern University im amerikanischen Illinois versuchen, die Ausbreitung der Schweinegrippe mit stochastischen Modellen vorherzusagen.

 

Ihre Hochrechnungen wie auch die einer ähnlichen Forschergruppe an der Indiana University lagen jedoch deutlich unter den Zahlen der amerikanischen Gesundheitsbehörde. Die Zahlen zu Beginn der Schweinegrippe, die er in das Modell eingegeben hatte, seien deutlich zu niedrig gewesen, sagte Brockmann zur Erklärung der New York Times.

 

In Zukunft „wird es interessant sein, unsere Modelle mit den Erkenntnissen von Dr. Cremer zu vergleichen“, sagte David. „Eine Pandemie wie die Schweingerippe ist ein seltenes Ereignis, wir haben sehr wenige Daten, um unsere Ergebnisse zu kontrollieren.“


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Hinzu kommt, dass niemand genau wisse, wie sinnvoll die Schließung von Flughäfen und Grenzen im Kampf gegen H1N1 tatsächlich sei. Cremers Ameisen können genau das immer wieder simulieren, ohne dass es dabei zu wirtschaftlichen Einbußen kommt.

 

Ein weiterer Vorteil von Lasius neglectus ist, dass die Invasive Gartenameise immer wieder in neue Lebensräume eindringt und dabei auf Krankheiten stößt, die sie noch nicht kennt. Doch auf bislang unerforschte Art und Weise ist ihr Immunsystem darauf vorbereitet.

 

„Sie merken, dass die Pathogene in ihrer Nähe sind, noch bevor sie infiziert werden“, sagt Cremer. Wie genau sie das machen, ist eines der Ziele ihrer Forschung. „Meine Vermutung ist, dass sie die Sporen irgendwie riechen können.“

 

Es sieht daher ganz so aus, als ob der Mensch von sozialen Insekten lernen kann – wenn wir nicht Termiten als Vorbilder nehmen: Sie neigen dazu, ihre Kranken einzumauern und sterben zu lassen.

 

Autor: Christian Gressner

Veröffentlicht am: 24. Juli 2009

 
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