Menschen im erwerbsfähigen Alter in Entwicklungsländern stellen die Hälfte der Weltbevölkerung. Das sind drei Milliarden gute Gründe dafür, dass die Entwicklungsländer das Wirtschaftswachstum im 21. Jahrhundert bestimmen werden, während die reichen Staaten altern.
Erst reich, dann alt. Bisher war das in den Industrienationen der Weg zum Wohlstand. Nun sind die Entwicklungsländer an der Reihe.
Länder wie Brasilien, China und Indien verzeichnen den 'peak people power' einen Höchststand bei den Arbeitskräften. Proportional zu der Anzahl der Kinder und der Alten wird dort der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung bald am höchsten sein – oder ist es bereits.
Der daraus resultierende "Abhängigkeitsquotient" zwischen Arbeitern und denjenigen, die zu jung oder zu alt sind, um zu arbeiten, ist wichtig für wirtschaftlichen Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit. In den Industrienationen gibt es zwar weniger Kinder zu versorgen, dafür aber immer mehr Ältere, die von einer sinkenden Zahl von Arbeitskräften unterhalten werden müssen.
Die Ausnahmen unter den Industrieländern wie die USA oder Großbritannien werden durch eine hohe Einwanderungsrate gestärkt. Doch sie können die globale Verschiebung der demografischen Kräfte nicht ausgleichen.
Im Jahr 1958 erwirtschafteten die Bevölkerungen der USA, Kanadas und Europas zwei Dritteln des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Bis 2003 war es nur noch weniger als die Hälfte, Tendenz weiter fallend. Daten der Vereinten Nationen zufolge wird das relative demografische Gewicht der Industrienationen in den nächsten vier Jahrzehnten um beinahe 25 Prozent abnehmen.
Im Jahr 2025 werden voraussichtlich 70 Prozent aller Inder im erwerbsfähigen Alter sein, prognostiziert Wolfgang Lutz vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse, IIASA.
Das 'demografische Fenster' der Chancen für die Entwicklungsländer wurde indes aufgestoßen, schreibt Steven Green, Verwaltungsratsvorsitzender der Privatbank HSBC in der Zeitung "The Economist".
Die neue Mittelklasse, die das globale Wachstum antreibt, wird sich in aufstrebenden Ländern wie Mexiko, der Türkei und Indonesien finden – Nationen mit wachsender Industrialisierung und Urbanisierung. Manchen Schätzungen zufolge ist Chinas Mittelschicht bereits größer als die Gesamtbevölkerung der USA. Eine neue Weltwirtschaftsordnung nimmt Gestalt an.
Doch Vorsicht, die meisten dieser demografischen Fenster werden sich innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre wieder schließen.
China macht sich bereits Sorgen um die Überalterung. Die Staaten müssen schnell handeln und die richtigen Strategien und Institutionen einsetzen. Die demografische Dividende zahlt sich nicht für immer aus.
Autor: Bettina Fachinger
Veröffentlicht am: 19. Februar 2010