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Schweiz Klimawandel-Profil Teil 3: Auswirkungen

Die Schweiz ist von der Klimaerwärmung überdurchschnittlich betroffen. In allen Regionen ist es im Mittel in den letzten fünf Jahren rund 1,5 Grad wärmer als noch vor 30 Jahren - verglichen mit 0,6 Grad weltweit. Und die Prognosen verheißen nichts Gutes.


Schweiz Klimawandel-Profil Teil 3: Auswirkungen

Ein Schild markiert die Position der Gletscherzunge des Morteratsch Gletscher im Jahre 1970. Der Morteratsch Gletscher in der Nähe des Skigebiets Pontresina ist seit 1900 um 1318 Meter zurückgegangen. (Foto: Reuters)

 

Bis 2050 werden in der Schweiz die Sommertemperaturen wissenschaftlichen Studien zufolge um schätzungsweise 2,7 Grad steigen, die Wintertemperaturen um 1,8 Grad. Wiederum mehr als im globalen Durchschnitt.

 

Die Unsicherheit ist bei diesen Zahlen allerdings nach wie vor groß: der prognostizierte Anstieg der Sommertemperatur etwa beträgt je nach Modell zwischen 1,4 und 4,7 Grad.

 

Wie auch immer die künftigen Prognosen ausfallen: Der Klimawandel ist im Alpenraum bereits heute deutlich sichtbar. Denn von rund 200 Kubikkilometern Eis in den Alpen sind seit 1850 bereits rund zwei Drittel abgeschmolzen. Und diese Entwicklung hat sich gerade in den vergangenen Jahren rasant beschleunigt. 

 

Die Gletscher schmelzen immer schneller 

Die Alpengletscher büßen derzeit jedes Jahr schätzungsweise zwei bis drei Prozent ihres Volumens ein. Verringern sie sich im gleichen Rhythmus weiter, so sind bis 2050 rund 50 bis 75 Prozent der Gletscherfläche völlig verschwunden.

 

Der World Glacier Monitoring Service (WMGS) mit Sitz an der Universität Zürich hat 2008 anhand von Messdaten diesen deutlichen Rückgang festgestellt: 88 von 91 ausgemessenen Gletschern haben sich der Studie zufolge weiter zurückgezogen.

 

Der grösste Schwund wurde mit 127 Metern am Vadret da Roseg im Bünderland verzeichnet. An zweiter Stelle folgte der Gauligletscher im Berner Oberland mit einem Längenverlust von rund 100 Metern.

 

Vor allem im „Supersommer“ 2003 haben die Forscher ein Rekordjahr verzeichnet: Bis zu zehn Prozent ihres Volumens haben die Gletscher im Gebirge verloren, was im Durchschnitt zweieinhalb Metern Eis entspricht.

 

Der langfristige Trend zum schnelleren Schrumpfen der Gletscher ist ungebrochen. Als Folge der Schmelze kann es in den Alpenregionen einerseits zu mehr Überschwemmungen und andererseits zu Trinkwasserknappheit und Verkarstung kommen. Davon bleibt der Tourismus natürlich nicht verschont.

 

Auswirkungen für den alpinen Tourismus 

Eine direkte Folge steigender Temperaturen ist der Anstieg der Schneefallgrenze, womit sich die Schneesicherheit von Wintersport-Orten verschlechtert. Bis zum Jahr 2050 könnte die Schneegrenze in den Alpen um etwa 200 Meter ansteigen.

 

Laut Klimaforschern ist es absehbar, dass bald nur noch Skigebiete über 1500 Metern genug Schnee haben werden. Die steigende Schneefallgrenze könnte also dazu führen, dass in Zukunft die Zahl der schneesicheren Skigebiete in der Schweiz um ein Drittel sinkt.


Schweiz Klimawandel-Profil Teil 3: Auswirkungen

Überflutete Häuser in Buochs in der Zentralschweiz im Sommer 2005. Heftige Regenfälle hatten das Dorf komplett unter Wasser gesetzt. (Foto: Reuters)

 

Dies bedeutet dann vor allem eine Bedrohung der Wintersportorte in den Voralpen. Die Tourismusindustrie müsste sich dann mangels Schnee langfristig von Ski- auf Wellnessangebote umstellen.

 

Zunahme von Extremereignissen

Das Auftauen von Permafrostgebieten kann zu einer Destabilisierung des Untergrunds, zu Felsstürzen, Steinschlag und Murgängen führen. Temperaturänderungen beeinflussen die Artenzusammensetzung von Ökosystemen und können die Ausbreitung von Krankheitserregern beschleunigen.

 

Warme und trockene Sommer begünstigen zum Beispiel die Verbreitung des Borkenkäfers in Fichtenwäldern. Speziell im Kanton Tessin beobachtet man eine Ausbreitung subtropischer Pflanzen aus Parks und Gärten. Die Blütezeit der Kirschbäume beginnt bei Liestal (BL) heute 15-20 Tage früher als noch in den 70er-Jahren.

 

Im Rhonetal sterben Föhrenwälder aufgrund der abnehmenden Niederschläge ab. Die kurzfristig gravierendsten Folgen haben in der Schweiz möglicherweise Extremereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen oder Stürme. Extreme Wetterverhältnisse sind in der Schweiz für die größten und teuersten Schadenereignisse verantwortlich.


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Quellen: World Glacier Monitoring Service (WMGS), Bundesamt für Umwelt (BAFU), Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)

 

Autor: Bernd de Wall

Veröffentlicht am: 14. April 2009

 
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