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Der Kampf ums Wasser: Krieg oder Frieden?

Der Kampf um Wasser als Auslöser internationaler Konflikte - ein Horrorszenario, das immer wieder heraufbeschworen wird. Wie wahrscheinlich ist ein Krieg um Wasser wirklich?


Der Kampf ums Wasser: Krieg oder Frieden?

Ein Palästinenser trägt leere Wasserkanister. (Foto: Reuters)

 

Wasser ist lebensnotwendig und hat schon zu biblischen Zeiten immer wieder für Streit gesorgt. Der Kampf um Wasser hat sogar ein Wort geprägt, dessen Ursprung wohl nur wenige kennen: Rivalität. Es stammt vom lateinischen „rivalis“ ab, das einen am selben Fluss oder Bach wohnenden Nachbarn bezeichnet, der dessen Wasser ebenfalls nutzen darf. 

 

Je mehr Menschen die Erde bevölkern, desto größer ist die Gefahr, dass die friedliche gemeinsame Nutzung des Wassers scheitert. Jüngste Beispiele sind der Völkermord in Ruanda oder der Aufstand in der sudanischen Provinz Darfur. Beide Konflikte gründeten unter anderem auf immer knapper werdendem Wasser.

 

Überall auf der Welt müssen sich Staaten das Wasser größerer Flüsse teilen, die durch ihr Gebiet laufen. Bekannte Beispiele sind Mekong, Indus, Nil und Amazonas. Solche internationalen Flüsse und ihre Einzugsgebiete bedecken 45 Prozent der Landmasse unseres Planeten aus und liefern Wasser für rund 40 Prozent der Menschheit.

 

Bei solchen Konstellationen ist Ärger vorprogrammiert: Wenn Indien einen Fluss staut, der auch Pakistan mit Wasser versorgt, kommt es unweigerlich zu Spannungen.

 

Ägypten etwa hat ein sehr heikles Verhältnis zu Äthiopien, denn dort entspringt der Nil, der danach seine Reise durch Ägypten antritt. Zu alledem kommen die Auswirkungen des Klimawandels: kürzere Regenzeiten, längere Dürreperioden, steigende Meeresspiegel, verstärkte Bodenerosion durch heftige Regenfälle, um nur einige Beispiele zu nennen. 

 

Alles schon mal dagewesen

Die Konflikte im Sudan und in Ruanda zeigen, dass der Streit ums Wasser durchaus zu Gewalt führen kann. Wenn sie eskaliert und daraus ein Krieg wird, hat das aber meist andere Ursachen. „Es gibt so gut wie keinen Konflikt, der tatsächlich durch den Streit ums Wasser ausgelöst worden ist“, sagt Daniel Zimmer, Geschäftsführer des Weltwasserrats.

 

„Wasser führt letzten Endes eher zur Zusammenarbeit als zu Krieg. Wasser ist lebenswichtig – deshalb kann sich eigentlich keiner deshalb einen Krieg leisten.“ Die Türkei, Syrien und der Irak haben sich geeinigt: Die drei Länder planen eine gemeinsame Einrichtung, die die länderübergreifenden Gewässer überwachen soll.

 

Dies ist einer der ersten Schritte zur Beilegung des lange schwelenden Konflikts. Der Irak hatte sich in der Vergangenheit wiederholt an die Vereinten Nation gewandt: Wegen der türkischen Staudämme an Euphrat und Tigris kam im Irak viel weniger Wasser an.

 

„Auch wenn manche Leute das behaupten: Bei uns wird es nicht zum Krieg ums Wasser kommen“, so der türkische Umweltminister Veysel Eroğlu. „Wir arbeiten lieber in Gemeinschaftsprojekten zusammen."


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Zündstoff gibt es auch am Mekong: Die Anrainerstaaten Thailand, Vietnam, Laos, Kambodscha und China führten noch im 20. Jahrhundert Krieg gegeneinander. Doch auch hier scheint eine friedliche Lösung in Sicht.

 

Die beteiligten Staaten gründeten die Mekong-Kommission, die alle Anrainerstaaten berät und zu gemeinsamen Verhandlungen anregt. Seit 1948 wurden etwa 295 Vereinbarungen getroffen, die Wassermengen, -qualität und die Nutzung der Wasserkraft regeln.

 

Exodus im eigenen Land

Leider klappt das nicht überall, vor allem dann nicht, wenn der Konflikt innerhalb eines Landes tobt. Wird die Landwirtschaft ausgebaut und mehr Flusswasser verbraucht, dann sitzen die Anwohner stromabwärts bald auf dem Trockenen.

 

Konkretes Beispiel ist die Region Darfur im Westen des Sudan. Im Streit um Zugang zu Wasser und Ackerland kommt es ständig zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen schwarzen Bauern und arabischen Nomaden. Anhaltende Dürren und das Vorrücken der Wüste trieben die Nomaden immer weiter in den Süden Darfurs, was wiederum bei den ansässigen Bauern auf Widerstand stieß.

 

Selbst innerhalb Chinas, das nicht gerade für Meinungsfreiheit bekannt ist, regt sich Unmut: Vor der Olympiade in Peking wurde viel Wasser umgeleitet, um die verseuchten Flüsse und Seen der Metropole durchzuspülen. Dafür erntete die Regierung heftige Kritik von den nordwestlichen Provinzen, in denen das Wasser plötzlich fehlte. Die Existenz von Millionen Bauern sei gefährdet, klagten lokale Behörden.

 

In China hat jeder Bewohner jährlich 348 Kubikmeter Wasser zur Verfügung – viel zu wenig, sagen die Vereinten Nationen. Alles was unter 1000 Kubikmeter pro Kopf liegt, gilt als Wasserknappheit. Noch knapper geht es in Peking zu: Die Bewohner der Stadt müssen mit 235 Kubikmetern pro Jahr zurechtkommen.

 

Werden Wasser und Lebensmittel knapp, steigt die Konfliktgefahr - sollte man meinen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Anstatt sich zu wehren, ziehen viele Menschen einfach weg, immer in der Hoffnung, dass es anderswo besser ist.

 

25 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration deshalb derzeit auf der Flucht. Allein zwischen 1997 und 2020 werden 60 Millionen Menschen die zunehmend unbewohnbaren Regionen südlich der Sahara verlassen, schätzt die Unesco. Dieser Ansturm wird auf Nordafrika und Europa zukommen. 

 

Doch diese Wanderungsbewegungen sind nichts verglichen mit dem Bevölkerungswachstum Afrikas, sagt Zimmer. „In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich die Bevölkerung der Elfenbeinküste verdreifacht, und das führt zu vielen Problemen“, so Zimmer.


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Auch in Mexiko kam es 2007 beim „Tortilla-Aufstand“ wegen der Lebensmittelpreise zu Gewalt und politischen Unruhen. „Natürlich ist es eine Lebensmittelkrise. Aber in erster Linie geht es um Wasser, denn ohne Wasser gibt es keine Lebensmittel“, sagt Zimmer.

 

Der Kampf um Wasser scheint vorprogrammiert. Ein Kampf, in dem es keinen Gewinner geben kann – dafür ist Wasser ein viel zu kostbares Gut. Für die Konfliktparteien gibt es nur eine Lösung, die schon seit Tausenden von Jahren funktioniert: friedlich zusammenarbeiten.

 

Autor: James Tulloch

Veröffentlicht am: 14. April 2009

 
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