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Gestörtes Verhältnis: Artenvielfalt und Klimawandel

Der Klimawandel gefährdet ganze Arten und komplette Ökosysteme. Anstatt die Artenvielfalt der Erde zu bewahren, treiben wir Menschen ihre Zerstörung durch unser Handeln voran. Damit berauben wir uns eines der besten Mittel zum Schutz gegen die Auswirkungen des Klimawandels.


Gestörtes Verhältnis: Artenvielfalt und Klimawandel

Korallenriffe sind akut vom Klimawandel betroffen. Übersäuerte Ozeane führen zu einem Absterben der Korallenbänke - ein Lebensraum wird zerstört (Foto: Reuters)

 

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen sind 20 bis 30 Prozent der Pflanzen und Tiere auf der Erde vom Aussterben bedroht, wenn die Temperaturen durch den Klimawandel um 1,5 bis 2,5 Grad Celsius steigen.

 

Die meisten Klimaforscher halten eine solche Erwärmung für wahrscheinlich. Wir könnten dann zahllose Pflanzen- und Insektenarten und kleinere Tiere verlieren. Gefährdet sind aber auch einige unserer beliebtesten Säugetiere, darunter die Eisbären, deren Lebensraum regelrecht wegschmilzt.

 

Wissenschaftler beginnen gerade erst zu verstehen, welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf die Biodiversitäts-Hotspots der Welt hat – besonders artenreiche Regenwälder, Feuchtgebiete und Korallenriffe.

 

Der World Wide Fund for Nature (WWF) geht davon aus, dass ein Großteil des Amazonas-Regenwaldes und des Great Barrier Riffs in Australien durch ungehinderte Klimaerwärmung in den kommenden Jahrzehnten zerstört werden könnten. Feuchtgebiete, Küstenmarschland, tiefgelagerte Inseln, Mangroven- und Nadelwälder sind ebenfalls durch die Klimaerwärmung gefährdet.

 

„Tatsächlich sehen wir bereits erste Veränderungen, nicht nur auf dem Festland, sondern auch in den Ozeanen in Form von Korallenbleiche und Versauerung“, sagt Thomas E. Lovejoy, Experte für Biodiversität am Heinz Center für Wissenschaft, Wirtschaft und Umwelt in Washington D.C. „Sie kommen erst jetzt ans Licht, weil sich zuvor niemand damit beschäftigt hat.“

 

The Millenium Ecosystem Assessment, eine Studie von über tausend internationalen Wissenschaftlern aus dem Jahr 2005 ergab, dass der Klimawandel auch Auswirkungen auf die sogenannten "Ökosystem-Dienstleistungen" der Natur hat.

 

Wälder und Marschen sind unerlässlich für die Reinhaltung der Luft, die Versorgung mit Frischwasser und die Regulierung des Klimas. Korallenriffe sind wichtige Brutstätten für Fische. Wenn sie verschwinden, sinkt die Lebensqualität weltweit.


Gestörtes Verhältnis: Artenvielfalt und Klimawandel

Ein Erdbeerfröschchen auf einer Pflanze im Dschungel in Costa Rica. Die Klimaerwärmung wird für das Aussterben von 17 Amphibienarten im Dschungel von Costa Rica verantwortlich gemacht (Foto: Reuters)

 

Biodiversität als Bollwerk

Artenvielfalt und unterschiedliche Ökosysteme sind natürliche Schutzschilde gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Dürre-resistentes Saatgut kann die Wahrscheinlichkeit von Hungersnöten senken, die durch mangelnde Regenfälle ausgelöst werden. Mangrovenwälder wie die Sundarbans zwischen Indien und Bangladesch bieten Schutz vor der zunehmenden Zahl von Taifunen und Fluten.

 

Dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen zufolge sind Ökosysteme mit reicher Artenvielfalt widerstandsfähiger und können sich dem Klimawandel besser anpassen.

 

Die Zerstörung unserer Wälder gefährdet die natürliche Artenvielfalt besonders stark, auch verursacht die Abholzung rund 20 Prozent der vom Menschen produzierten Kohlendioxid-Emissionen. Weniger Abholzung würde also bedeuten, den fortschreitenden Klimawandel einzudämmen und die Ökosysteme zu erhalten, die für den Kohlendioxid-Kreislauf der Erde überlebenswichtig sind.

 

Wissenschaftler fanden auch heraus, dass regionale Niederschläge nach der Abholzung eines Waldes dramatisch abnehmen. Wiederaufforstung hilft dabei, den natürlichen Wasserkreislauf zu stabilisieren und Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. Ist ein unberührter Wald jedoch erst einmal zerstört, kann er seine ursprüngliche Pracht nie wieder entfalten.

 

Finanzielle Anreize sind ein wichtiges Mittel, um den Verlust des Waldes in Ländern wie Brasilien und Indonesien zu verhindern. Ohne Zuschüsse ist es für einen Bauern dort gewinnbringender, den Urwald abzuholzen und Palmöl anzubauen. Sobald die Erde ausgelaugt ist, zieht er weiter und rodet ein neues Waldstück.


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Entwaldung vermeiden - Geld fürs Nicht-Tun?

Eine Lösung lautet „avoided deforestation“, Abholzung vermeiden. Sean Southey, erfahrener Umweltentwickler und Mitgründer der UN-Organisation Equator Initiative, sieht darin ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Klimaschutz, Erhalt der Artenvielfalt und Armutsbekämpfung. Wenn lokale Gemeinden von nachhaltigen Methoden profitieren, ist es für sie wirtschaftlich sinnvoll, das Fällen von Bäumen aufzugeben.

 

Doch die internationale Politik ignoriert noch immer den Zusammenhang zwischen dem Erhalt artenreicher Wälder und dem Erreichen der Millenium Development Goals, die Entwicklungsziele zur Armutsbekämpfung, Friedenserhaltung und zum Umweltschutz festschreiben.

 

„Sie hindern die Leute nicht daran, Nutzen aus dem Fällen von Bäumen zu ziehen“, sagt Southey über aktuelle internationale Klimaschutz-Modelle. „Also wird schöne, weitgehend unberührte Artenvielfalt in Asien ausgelöscht, um dort Palmöl anzubauen. Das trägt nicht dazu bei, die Millennium-Enwicklungsziele zu erreichen“.

 

Southey bemüht sich um einen Perspektivenwechsel: Der Erhalt des Regenwaldes ist eine wertvolle Dienstleistung. Bauern, die hier mithelfen, sollten dafür belohnt werden.

 

Thomas Lovejoy stimmt zu. „Die Misswirtschaft, die wir mit den Ökosystemen der Erde betreiben, besonders mit den Wäldern, trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei. Wenn wir also einfach damit aufhörten, wäre das ein wichtiger Teil der Lösung.“

 

Autor: Valdis Wish

Veröffentlicht am: 14. April 2009

 
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Bericht UN Weltklimarat 2007

Hier sehen Sie die wichtigsten Informationen des Berichts zum Weltklima 2007 der Vereinten Nationen.

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