Wind könnte die ganze Welt mit Strom versorgen. 2009 betrug der Anteil jedoch gerade einmal zwei Prozent. Die Entwicklung geht langsam, trotzdem ist Wind eine verlässliche Quelle erneuerbarer Energie und wächst stetig weiter.
![]() | Ein Windpark an Hollands Küste. Viele der optimalen Standorte für Windkraftanlagen sind in Küstennähe oder sogar auf dem Meer. (Foto: Reuters) |
Weltweite Bedeutung und Ausblick
Das Wachstum des Windenergie-Sektors ist riesig, die Leistung verdoppelt sich etwa alle drei Jahre. 2009 hat die globale Windenergie etwa 160 Gigawatt Leistung erbracht, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von etwa 40 Gigawatt, schreibt der Dachverband der Windenergie. Seit 2007 hat der Windenergie-Sektor jeden anderen Energiesektor in Punkto Wachstum überholt.
Bezogen auf die eigentliche Generierung von Elektrizität, hat die weltweite Windenergie im Jahre 2009 etwa 340 Terrawattstunden produziert - genauso viel wie der jährliche Strombedarf von Italien und etwa zwei Prozent des weltweiten Gesamtbedarfs. Neun Prozent von Europas Energiebedarf wird jetzt von Windenergie gedeckt. Im Jahr 2000 waren es nur zwei Prozent.
Aber Europa ist nicht länger Marktführer. Der jüngste Wachstumsschub passiert in Asien, 40 Prozent der neuesten Windenergieanlagen wurden 2009 dort gebaut, mit China als Anführer. Nichtsdestotrotz produziert Strom aus Windkraft gerade einmal ein Prozent des chinesischen Energiebedarfs.
Der weitere Wachstum wird vor allem durch sich schnell entwickelnde Länder wie Indien, Brasilien oder Mexico getragen werden. In Europa und Nordamerika setzt man gleichzeitig auf Offshore Windparks, acht neue Einrichtungen wurden 2009 hier ans Netz genommen.
Globale Resourcen und Produzenten
Wind gibt es in Hülle und Fülle: Er würde ausreichen, um die Erde gleich fünfmal mit Strom zu versorgen. Ganze 72.000 Gigawatt könnten Windanlagen auf dem Festland und an den Küsten produzieren, so eine Studie der Universität Stanford. Aber Windturbinen lassen sich nicht überall aufstellen.
Probleme gibt es beispielsweise in Stadtgebieten und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind nur vier bis zehn Prozent des vorhandenen Windpotentials zur Energieerzeugung nutzbar, sagen Fachleute des Weltklimarates.
Die meiste Windenergie wird in den Vereinigten Staaten, China, Deutschland, Spanien und Indien erzeugt. Diese Länder kommen zusammen auf 70 Prozent der Weltproduktion.
Dänemark erreicht zwar nicht derartige Mengen, hat aber den höchsten Anteil pro Einwohner; dänische Windturbinen sorgen für 20 Prozent der gesamten Energie des Landes. Kanada, Frankreich, Großbritannien und Portugal haben ebenfalls hohe Wachstumsraten.
Der Windenergiesektor ist etwa 70 Milliarden U.S. Dollar schwer und bietet Arbeitsplätze für eine halbe Million Menschen weltweit. Der Markt für Turbinen wird traditionell von europäischen Anbietern dominiert, aber chinesische und indische Produzenten holen schnell auf.
Energieausbeute
Windturbine ist nicht gleich Windturbine. Es kommt auf Größe, Höhe, Typ und Standort an. Die kleinsten bringen es auf ein paar hundert Watt, sind auf Segelbooten sehr beliebt und können immerhin ein paar Glühbirnen zum Leuchten bringen. Die Giganten dagegen sind Windkraftanlagen wie die Vestas V90, die drei Megawatt produzieren kann. Laut Herstellerangaben können diese Turbinen in zwei bis drei Stunden soviel Strom produzieren, wie eine durchschnittliche, europäische Familie im Jahr verbraucht.
Bisher stehen die meisten Windkraftanlagen an Land. Dabei sind die Meere viel interessanter. Dort weht der Wind ungefähr doppelt so stark wie auf dem Festland. Windparks vor der Küste sind durchaus eine interessante, aber auch technisch anspruchsvollere, teurere Alternative.
Verbesserte Effizienz und sinkende Kosten für die Windturbinen machen die Windenergie letztendlich immer konkurrenzfähiger. In den letzten 20 Jahren sind die Produktionskosten für Großturbinen um 90 Prozent gefallen. Laut General Electric pendeln sich die weltweiten Preise bei etwa 3,5 bis vier Cents pro Kilowattstunde ein. Damit ist Strom aus Windenergie vergleichbar mit Strom aus Kohle, Öl, Atomkraft oder Gas.
Umweltfolgen und Rückschläge
Egal ob groß oder klein – Windturbinen sind nicht überall willkommen. Viele Menschen halten sie für laut und hässlich. Sie können den Mobilfunk stören und sind weithin sichtbar. Ornitologen fürchten, dass vor allem größere Vögel von den Rotoren verletzt werden können.
Ein Großteil der in Deutschland nutzbaren Standort ist bereits mit Windturbinen bebaut. Nur die flachen Küstenregionen vor der Nordsee bieten noch ein Wachstumspotenzial. Beste Beispiele sind Anlagen an den Küsten Dänemarks und den britischen Inseln.
Das größte Problem ist und bleibt die Verlässlichkeit: Windturbinen produzieren, wenn Wind weht, nicht wenn Kunden Strom brauchen. Außerdem muss die durchschnittliche Windgeschwindigkeit hoch genug sein, damit eine Turbine ihre Kosten wieder einträgt. Auch die besten Turbinen können gerade einmal 45 Prozent der Windenergie in Strom verwandeln.
Die Stromspeicherung ist ein weiteres Problem. Wie bei Solarstrom muss also ein geeignetes Speichermedium gefunden werden, unabhängig von den äußeren Wetterbedingungen. Dadurch wird es nämlich problematisch, die Windenergie in das Stromversorgungsnetz einzuspeisen, die in Zeiten von Windstille eine durchgängige Stromversorgung garantieren.
Autor: Valdis Wish
Überarbeitet am: 12. Mai 2010