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Demografieprofil Schweiz Teil 1: Brain-Gain statt Brain-Drain

Die Babyboomer der 50er und 60er Jahre kommen in die Jahre, die Zahl der Geburten sinkt. Ein positiver Faktor der demografischen Entwicklung in der Schweiz sind die vielen, meist hoch qualifizierten Zuwanderer.


Demografieprofil Schweiz Teil 1: Brain-Gain statt Brain-Drain

Die Lebenserwartung der Schweizer hat sich im letzten Jahrhundert fast verdoppelt: Heute beträgt die Lebenserwartung von Männern rund 79 Jahre, Frauen werden im Durchschnitt 84 Jahre alt. (Foto: Reuters)

 

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Schweizer Bevölkerung relativ jung: Rund 40 Prozent der Bevölkerung war jünger als 20 Jahre, nur 6 Prozent älter als 65.

 

Das hat sich im Lauf der letzten Jahre grundlegend geändert: Heute wird die schweizerische Bevölkerungsstruktur, wie in anderen europäischen Staaten, von der so genannten „Babyboom-Generation“ dominiert.

 

„Babyboomer“ dominieren

Vor allem die in den 50er und 60er Jahren geborenen Schweizer bilden dabei die stärksten Jahrgänge. Fast zwei Drittel der Bevölkerung sind derzeit Erwachsene im Haupt-Erwerbsalter, Kinder und Jugendliche stellen nur mehr rund 22 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bereits jeder sechste Einwohner der Schweiz gehört zur älteren Generation – Tendenz schnell steigend.

 

Diese „doppelte Alterung“ – also immer weniger junge Menschen bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung – wird in der Schweiz zu einer dramatischen Veränderung der Alterstruktur führen. Bereits im Jahr 2030 wird voraussichtlich ein Viertel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein.

 

Der größte Zuwachs ist bei den Hochaltrigen über 80 Jahre zu erwarten: Ihre Zahl wird sich von heute 300.000 Personen bis 2030 mehr als verdoppeln, ihr Anteil an der Bevölkerung dann fast acht Prozent betragen. Diese demografischen Entwicklungen stellen natürlich hohe Anforderungen an den Schweizer Arbeitsmarkt, denn die Nachfrage nach Arbeitskräften hält unvermindert an.

 

Dramatische Änderung der Altersstruktur

Natürlich ist es eine erfreuliche Entwicklung, wenn die Lebenserwartung stetig steigt: Betrug die durchschnittliche Lebenserwartung in der Schweiz 1881 weniger als 45 Jahre, so ist dieser Wert heute auf rund 79 Jahre bei Männern und fast 84 Jahre bei Frauen gestiegen.

 

Und angesichts der enormen medizinischen Fortschritte ist auch weiterhin mit einem Zuwachs der Lebenserwartung bei gleichzeitig guter Gesundheit zu rechnen.

 

Allerdings ist in der Schweiz gleichzeitig die Zahl der Geburten auf einen historischen Tiefstand gefallen und liegt nur noch bei rund 1,4 Kindern pro Frau.

 

Starkes Bevölkerungswachstum 

Anders als viele europäische Industriestaaten verzeichnet die Schweiz trotzdem ein starkes Bevölkerungswachstum, das sich auf einen stetigen Zustrom ausländischer Bürger stützt. Die Schweizer Bevölkerung ist 2008 sogar stärker gewachsen als in den letzten 40 Jahren.

 

Die Zunahme betrug mehr als 106.000 Personen, was einem Plus von 1,4 Prozent entspricht. Damit lebten Ende 2008 in der Schweiz 7,7 Millionen Menschen.


Demografieprofil Schweiz Teil 1: Brain-Gain statt Brain-Drain

Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey im Februar 2009 nach einer Abstimmung über die bilaterale Personenfreizügigkeit (Foto: Reuters)

 

Die markante Zunahme der ständigen Wohnbevölkerung hat gemäß Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) zwei Gründe: Erstens die gute Wirtschaftslage während des größten Teils des Jahres 2008. Zweitens die Einführung der vollen Personenfreizügigkeit gegenüber 17 EU- und EFTA-Mitgliedsländern seit dem 1. Juni 2007. Mehr als 85 Prozent des Wachstums sind laut BfS auf Migrationen zurückzuführen.

 

Brain-Gain statt Brain-Drain

 

Die Schweiz ist nicht nur aufgrund ihrer schönen Berge und Seen ein begehrtes Land für Zuwanderer. Im Laufe des letzten Jahrhunderts baute die Schweiz auch einen gewaltigen Wohlstand auf.

 

Niedrige Arbeitslosenzahlen, ein überdurchschnittlich hohes, gleichmäßig verteiltes Volkseinkommen und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Personen jeglichen Alters sind heute Merkmale des Schweizer Wohlstands.

 

Daneben locken auch eine hervorragende Infrastruktur, hohe Löhne und vergleichsweise niedrige Steuern hochqualifizierte Arbeitskräfte aus allen Teilen der Welt an. Der Anteil der Migranten in der Schweiz liegt heute mit 26 Prozent höher als in klassischen Einwanderungsländern und gar doppelt so hoch wie in den USA. Fast zwei Drittel der ausländischen Erwerbstätigen sind Staatsangehörige eines EU oder EFTA-Landes.

 

Das starke Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wäre ohne den Zustrom der ausländischen Erwerbstätigen nicht möglich gewesen. Zudem hat die neue Zuwanderungspolitik mit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Juni 2002 sowie dem neuen Ausländergesetz zu einer beschleunigten Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte geführt.

 

Mit mehr als einem Drittel ist der Anteil der südeuropäischen Arbeitskräfte am größten, gefolgt von den Erwerbstätigen aus Nord- und Westeuropa (27%). Jeder fünfte ausländische Erwerbstätige stammt aus den westlichen Balkanländern und der Türkei.


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Der Anteil neu Zugewanderter mit tertiärem Bildungsabschluss (Fachhochschule oder Universität) hat von 1997 bis 2007 von 36 auf 58 Prozent zugenommen und liegt damit doppelt so hoch wie jener der einheimischen Bevölkerung.

 

Die Zuwanderung dieser Hochqualifizierten trägt demnach entscheidend zum Wirtschaftswachstum in der Schweiz bei, was sich auch am Bruttoinlandsprodukt bemerkbar macht - in den vergangenen Jahren ist es signifikant gestiegen.

 

Negative Effekte der starken Zuwanderung auf dem Arbeitsmarkt konnten von Wirtschaftsexperten nicht festgestellt werden.

 

Quellen: Economiesuisse, Bundesamt für Statistik (BfS), Avenir Suisse, Konjunkturforschungsstelle (KOF) 

 

Autoren: Bernd de Wall / Miki Yokoyama

Veröffentlicht am: 6. Mai 2009

 
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