In den letzten 140 Jahren hat sich die Einwohnerzahl in Österreich beinahe verdoppelt. In den nächsten fünfzig Jahren wird mehr als ein Drittel der Bevölkerung mehr als 60 Jahre alt sein – wird Österreich von der Alpen- zur Altenrepublik?
![]() | Von der Alpen- zur Altenrepublik?Die österreichische Gesellschaft altert. Was bedeutet das? (Fotos: Reuters) |
Vor 140 Jahren lebten in Österreich rund 4.5 Millionen Menschen – heute sind es über 8,3 Millionen Menschen; für 2075 werden 9.7 Millionen prognostiziert. Rund ein Drittel der Bevölkerung wird dann über 60 Jahre alt sein und nur noch etwa 13,5 Prozent jünger als 15 Jahre.
Der demografische Wandel lässt sich in Österreich insbesondere im Rückgang der Geburtenrate ablesen sowie durch den Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung – die österreichische Gesellschaft altert. Die Geburtenrate geht in Österreich nach wie vor zurück.
Frauen bekommen zu einem immer späteren Zeitpunkt Kinder – vor 40 Jahren war das durchschnittliche Alter bei der Geburt des ersten Kindes 22 Jahre, heute liegt es bei fast 28 Jahren. Ebenso sinkt die Fertilitätsrate: 2007 lag der Wert noch bei 1,38 Kindern pro Frau.
Österreicher bleiben länger jung
Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt jährlich um einige Monate an – bei Frauen und Männer gleichermaßen. Nach wie vor ist die Lebenserwartung von Frauen höher als jene der Männer.
Aktuell wird Frauen eine Lebensdauer von 82,9 Jahren prognostiziert, Männer leben durchschnittlich 77,3 Jahre. Gleichzeitig verschiebt sich der Altersbegriff in der Wahrnehmung der Menschen immer weiter nach hinten – erst im Alter von etwa 74 Jahren empfindet man sich selbst als alt.
Was die familiären Rahmenbedingungen betrifft, zeichnet sich ein weiterer Abwertstrend in der Zahl der Eheschließungen ab. Gab es vor zehn Jahren noch insgesamt 39.485 Trauungen pro Jahr, so gibt es aktuell nur noch 35.996. Hingegen steigt die Anzahl der Scheidungen massiv an – 1998 lag die Gesamtscheidungsrate bei 38,6 Prozent bzw. 17.884, zehn Jahre später wird fast jede zweite Ehe geschieden.
Dies bringt neue Herausforderungen für die Pensions- und Familienpolitik mit sich. Die politischen Entscheidungsträger in Österreich versuchen seit einigen Legislaturperioden, den sich verändernden demografischen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.
Generatrionengerechtigkeit ist das Schlagwort, an dem alle Maßnahmen ausgerichtet werden sollen, um die staatlichen Pensionen sowie der staatlichen Sozial- und Gesundheitsleistungen für alle Generationen zu sichern.
Integration und Zuwanderung
Weitere Herausforderungen warten im Bereich Zuwanderung und Integration: Insgesamt lebten 2007 rund 840.000 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Österreich. Zu Jahresanfang 2008 lag der Ausländeranteil an der Bevölkerung bei etwa 10 Prozent. Innerhalb der letzten 28 Jahre stieg die Zuwanderungszahl damit um 275 Prozent, weitere Steigerungen werden erwartet.
Auch im Bereich Integrationspolitik ist ein Wandel zu erkennen: Das bisherige Quotensystem wird durch die sogenannte „Rot-Weiß-Rot Card“ ersetzt. Dabei werden Parametern wie die Situation des Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes, die zu erwartenden Integrationsfähigkeit und sicherheitsrelevanten Aspekte berücksichtigt.
Einwanderer, die die Kriterien der Rot-Weiß-Rot Card erfüllen, erhalten dann Hilfe bei der Zuwanderung, der Arbeitssuche und der gesellschaftlichen Integration.
Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zufolge benötigt Österreich in erster Linie qualifizierte Zuwanderung um international wettbewerbsfähig zu sein. Gezielte Zuwanderungspolitik sei daher unerlässlich.
Quellen: Statistik Austria, WIFO, Regierungsprogramm 2008-2013 - Gemeinsam für Österreich
Autor: Manfred Rapolter
Veröffentlicht am: 14. April 2009